Wenig Zuspruch für Schneekanonen  02.01.2007

             Schneekanone in Aktion; Foto: Zefram, Wikimedia Comons

„Wenig Zuspruch für Schneekanonen“, so titelte bereits der Trierische Volksfreund in seiner Ausgabe vom 17.03.2004 und fasste damit die Meinung der am TV-Medienprojekt „KLASSE!“ teilnehmenden Schulklassen zusammen. Inzwischen scheint auch die Phalanx der Schneekanonenbefürworter in den Räten der Stadt und der VG Daun mehr und mehr zu bröckeln.

 

Quasi offensichtlich als Vollzug eines Automatismus nach dem Motto „Sportvereine werden von uns mit 10% unterstützt“ waren seinerzeit in die Haushalte der Stadt und der VG Daun jeweils 39.000 Euro für das inzwischen auf über 610.000 Euro angewachsene Schneekanonenvorhaben eingestellt worden.

 

Wachsender Widerstand im Rat

Gab es bei den Haushaltsberatungen für den Haushalt 2006 zum ersten Mal auf Ratsebene spürbaren Widerstand gegen diese kommunale Beteiligung – neben einigen Enthaltungen votierten 4 Stadtratsmitglieder dagegen – , so wuchs der Widerstand bei den jüngsten Haushaltsberatungen für den Haushalt 2007 an. Im Stadtrat verdoppelte sich die Anzahl der Neinstimmen auf 8. Im Rat der VG stimmten 14 Mitglieder dagegen. Hinzu kamen noch einige Enthaltungen, und, besonders erfreulich, auch Stimmen der Mehrheitsfraktion befanden sich unter den Neinstimmen!

 

Tauglichkeit überprüfen

Für den chronisch defizitären Haushalt der Stadt Daun ist es gut, dass offensichtlich immer mehr Ratsmitglieder das Vorhaben auf seine Tauglichkeit abzuklopfen beginnen und sich die Frage stellen, ob die Sache überhaupt Sinn macht. Die jüngste OECD-Studie, die selbst für Alpenregionen immer weniger Wintersportmöglichkeiten prognostiziert, mag dazu genauso beigetragen haben wie der bisherige wärmerekordverdächtige Verlauf dieses „Winters“ oder der engagierte Vortrag eines Ratsmitgliedes bei der Beratung des städtischen Haushaltes für das Jahr 2006.

 

Nicht nur aus Naturschutzgründen, sondern alleine schon aus finanziellen Erwägungen heraus sollten nun auch die übrigen Ratsmitglieder den Mut aufbringen, von Wunschträumen Abstand zu nehmen und das Thema Beschneiungsanlage spätestens bei den nächsten Haushaltsberatungen endgültig beenden.

 

Gutachten nicht zum Nulltarif

Auf den ersten Blick scheint das Abenteuer Schneekanone die Stadt und VG bisher noch nichts gekostet zu haben. Die jeweils 39.000 Euro brauchten in der Tat noch nicht verausgabt zu werden und es ist auch noch nicht abzusehen, wann bzw. ob überhaupt diese Gelder ausgegeben werden müssen. Eine Entscheidung durch die dafür zuständige SGD Nord steht noch aus. Im Zusammenhang mit dem Befreiungsantrag bei der SGD Nord wurden jedoch Gutachten erstellt und Unterlagen gefertigt, die sicherlich nicht zum Nulltarif zu erhalten waren.

 

Dabei haben es diese Gutachten in sich – zumindest zahlen- und z.T. volumenmäßig. Die nachfolgende Aufstellung listet lediglich bisher erstellte Gutachten und Planunterlagen auf und berücksichtigt keine Kosten, die durch die umfangreichen Verwaltungstätigkeiten wie Erstellung des Erläuterungsberichts v. 27.5.2003 durch den Eigenbetrieb Abwasseranlagen der VG Daun, die detaillierten Kostenermittlungen für das Verlegen verschiedener Leitungen lt. Aufstellung v. 2.12.2003 durch denselben Betrieb oder durch den Aufwand für die Bearbeitung der eingegangenen Unterlagen anfielen..

 

Erstellt wurden bisher:

  • 1. Fachtechnische Stellungnahme der WASSER UND BODEN GMBH Boppard v. 8.3.03, 4 Seiten
  • 2. Fachtechnische Stellungnahme der WASSER UND BODEN GMBH Boppard, Ergänzung, v. 11.6.03, 1 Seite
  • 3. FFH-Verträglichkeitsprüfung des Büros KARST INGENIEURE v. 3.11.2003, 23 Seiten + 2 Seiten Anhang über Lebensraumtypen und Arten nach der Vogelschutzrichtlinie
  • 4. „Bestandsplan“ und „Eingriff- Ausgleichsplan“ des Büros KARST INGENIEURE v. 16.10.2003, 2 großformatige Planzeichnungen
  • 5. Landespflegerischer Begleitplan des Büros KARST INGENIEURE v. 3.11.2003, 8 Seiten
  • 6. Erläuterungsbericht „Be- und Entwässerung“ des Ing.-Büros HSI v. 20.7.05, 6 Seiten + weitere 8 Seiten techn. Planzeichnungen
  • 7. Kostenberechnung „Be- und Entwässerung“ des Ing.-Büros HSI v. 20.7.05, 5 Seiten
  • 8. Entwurfs- und Genehmigungsplanung „Be- und Entwässerung“ des Ing.-Büros HSI vom Juli 2005, 13 überwiegend großformatige techn. Planzeichnungen
  • 9. FFH-Verträglichkeitsprüfung des Büros KARST INGENIEURE v. 11.8.2005 , 31 Seiten
  • 10. FFH-Verträglichkeitsprüfung des Büros KARST INGENIEURE, Ergänzende Stellungnahme, v. 23.9.2005, 5 Seiten
  • 11. „Bestandsplan“ und. „Eingriff- Ausgleichsplan“ des Büros KARST INGENIEURE v. 11.8.2005 bzw. 23.9.2005, 2 großformatige Planzeichnungen
  • 12. Landespflegerischer Begleitplan des Büros KARST INGENIEURE v. 11.8.2005, 8 Seiten
  • 13. Landespflegerischer Begleitplan des Büros KARST INGENIEURE, Ergänzende Stellungnahme, v. 23.9.2005, 5 Seiten

Neue Planunterlagen erstellt

Die Planunterlagen des Jahres 2005 mussten erstellt werden, da der auf den Unterlagen von 2003 basierende Antrag von der SGD nicht genehmigt und daher neu bearbeitet werden musste. Auch der auf den Unterlagen von 2005 basierende Plan erwies sich als nicht genehmigungsfähig und ging zur erneuten Bearbeitung an die Stadt zurück. Was wird nun an weiteren Planunterlagen fällig?

 

Sind Ratsmitglieder informiert?

Lange Zeit waren die Ratsmitglieder über entscheidungsrelevante Größen wie techn. Details des Beschneiungsvorganges, erforderliche Witterungsvoraussetzungen oder Statistiken über die mangelnde klimatische Eignung der hiesigen Region für eine Beschneiung überhaupt nicht informiert worden. Es stellt sich nun die Frage, ob dies in ähnlicher Weise auch auf den Bereich Gutachten und Unterlagenerstellung zutrifft?

 

Mehr zum Thema Beschneiungsanlage finden Sie unter folgender Meldung:

Der Klimawandel findet nicht statt   03.11.2006

Der Klimawandel findet nicht statt – zumindest nicht an der Skipiste am Mäuseberg im NSG Dauner Maare. Zwar konnte man auch in Daun noch bis Ende Oktober in den ... 

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