Neue Nisthilfen für Wanderfalken  26.02.2014

  Präzision ist beim Hochziehen und Befestigen der Nisthilfe nach oben gefragt.

Seit einigen Tagen finden Wanderfalken im Landkreis Vulkaneifel acht neue Nisthilfen an Hochspannungsmasten vor. Es ist dies das Ergebnis der Beteiligung unserer Gruppe an der Aktion „RWE Aktiv vor Ort“. Im Rahmen dieser Aktion wurden uns vom RWE die Materialkosten zum Bau der Nisthilfen in Höhe von 1.960 € zur Verfügung gestellt. Die Fertigung übernahm unser Vorstandsmitglied Georg Möhnen mit Unterstützung einiger Helfer. In einer sehr personalintensiven, mehrtätigen Arbeit wurden die Kästen anschließend von Mitarbeitern der zum RWE gehörenden Westnetz GmbH an Tragmasten von 110kv-Leitungen angebracht.

 

Warum diese Aktion?

Wanderfalken suchen ihre Brutplätze an hohen Felsen. Dort befinden sie sich in Konkurrenz zu Kletterern, die an den Felsen ihren Sport ausüben. Die sich daraus ergebende Konfliktsituation führt dazu, dass im rheinland-pfälzischen Hauptvorkommensgebiet des Wanderfalken, im Dahner Felsenland, alljährlich bestimmte Felsen zur Brutzeit für das Klettern gesperrt werden. Leider kommt es immer wieder vor, dass Kletterer die Verbote missachten, wodurch die Bruten gefährdet werden. Seit Jahren schon macht dies die Überwachung bestimmter Wanderfalkenbrutfelsen durch die Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz im NABU-RLP erforderlich.

 

Kaum Naturfelsen im Landkreis Vulkaneifel

Der Landkreis Vulkaneifel verfügt mit dem Naturschutzgebiet (NSG) Gerolstein Dolomiten nur über ein einziges wirklich großes Felsmassiv. Dies steht den felsbewohnenden Lebewesen allerdings nicht ungestört zur Verfügung. Zum Felsmassiv gehört auch die Hustley, die mit Zustimmung der Stadt Gerolstein und der Naturschutzbehörde vom Deutschen Alpenverein als Klettergarten genutzt wird.

 

Dort, wo durch Basaltabbau in Steinbrüchen hohe Felswände entstehen, ist leider immer wieder illegales Klettern zu beobachten. Zunehmend ist auch eine Beeinträchtigung durch Geocacher festzustellen.

 

Menschliche Bauten als Ersatzfelsen

Menschliche Bauten werden vom Wanderfalken als Ersatzfelsen akzeptiert, sie müssen nur möglichst hoch sein und irgendwo eine geeignete Brutnische aufweisen. Solche sind in der Regel an den glatten Bauten nicht vorhanden. Hier hilft eine entsprechend konzipierte Nisthilfe. Dies führte auch an der A1 Liesertalbrücke bei Daun-Rengen zum Erfolg. Beim Bau der Brücke im Jahre 2008 konnten wir eine Wanderfalkennisthilfe anbringen. Nachdem zuerst Turmfalken darin brüteten, brütete dort erstmals 2013 ein Wanderfalkenpaar erfolgreich. Für dieses bisher isoliert brütende Paar ist es von Vorteil, wenn sich im Landkreis weitere Wanderfalkenpaare ansiedeln können. Die Nisthilfen an Hochspannungsmasten bieten den Falken eine sichere Möglichkeit vor, ungestört brüten zu können.

 

NABU und RWE?

Sollte nicht ein Naturschutzverband wie der NABU einen großen Bogen um ein Energieversorgungsunternehmen machen, das jahrzehntelang die Nutzung der Atomenergie propagierte und auch heute noch AKW betreibt? Sollte man wirklich von vorneherein eine gute Idee ablehnen, nur weil sie aus der vermeintlich "falschen Ecke“ kommt? Genau dies ist die Haltung, die im politischen Bereich das größte Kopfschütteln hervorruft!

 

Die Entschärfung vogelgefährlicher Mittelspannungsleitungen oder das Minimieren des Anflugrisikos großer Vögel an Hochspannungsleitungen wie auch das Umsetzen sinnvoller Maßnahmen wie Anbringen von Nisthilfen für Weißstörche oder Wanderfalken, lassen sich zum Vorteil der Vogelwelt nur im Miteinander realisieren.

 

Für uns war es erfreulich, dass das RWE bereit war, die doch recht aufwendige Aktion als Pilotprojekt im Bereich ihrer Hochspannungsfreileitungen durchzuführen. Nun sollen über einen längeren Zeitraum die Ergebnisse des Projektes abgewartet werden, bevor möglicherweise eine Fortsetzung erwogen wird.

 

Wir haben den Ablauf der Aktion in einer kleinen Bildergalerie festgehalten.

        Fragen zur Mitgliedschaft:

        service@nabu.de  oder

        Tel. 030/284984-40 00