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Platz für Miscanthus
Meldung vom 20.05.10
Unabhängig von der Frage, ob es ethisch vertretbar ist, auf Flächen, auf denen eigentlich Lebensmittel erzeugt werden sollten, nachwachsende Rohstoffe (Nawaros) als Energiepflanzen anzubauen, haben vor allem die Begleitumstände des Anbaus der Nawaros dafür gesorgt, diese in Misskredit zu bringen. Mit der Gewinnung von Palmöl als Brennstoff für Blockheizkraftwerke gehen Regenwaldvernichtung sowie Vertreibung und Verelendung der dortigen indigenen Bevölkerung einher. Mit dem Anbau von Nawaros bei uns ist vielfach Grünlandumbruch verbunden, was einen weiteren Rückgang der Artenvielfalt führt. Gerade beim Maisanbau kommt es zudem zu großem Verlust an fruchtbarem Boden durch Erosion und erheblichen Beeinträchtigungen der Gewässer durch Eintrag chemischer Mittel.
Negativbeispiele aus dem Landkreis Vulkaneifel Die negativen Begleiterscheinungen des Nawaros-Anbaus wurden vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) erfasst und in der Dokumentation „Where have all the flowers gone? – Grünland im Umbruch“ veröffentlicht. Bedauerlicherweise zeichnete sich der Landkreis Vulkaneifel dadurch aus, dass er mit Beispielen aus der VG Obere Kyll und VG Gerolstein den Hauptteil der dokumentierten Negativbeispiele beisteuerte. Nicht gerade erfreulich für eine Region, die so gerne mit „Natur pur“ und ähnlichen Slogans Einheimischen wie Touristen eine heile Landschaft suggerieren will!
Miscanthus mit Vorteilen Neuerdings wird Miscanthus, auch bekannt als Chinagras oder Elefantengras, ebenfalls als Energiepflanze angebaut. Vor allem gegenüber dem Energiemais bietet aus ökologischer Sicht Miscanthus erhebliche Vorteile. Als langlebige Pflanze, Miscanthus wird älter als 20 Jahre, kann sie Bodenerosionen entgegenwirken, da nach der Anpflanzung der Boden lange Jahre hindurch bedeckt bleibt. Somit ist auch keine alljährliche Bodenbearbeitung erforderlich, so dass zum Vorteil der gesamten Bodenlebewelt Bodenruhe herrscht. Zudem ist nach vollständiger Etablierung des Pflanzenbestandes keine Anwendung von Pflanzenschutzmitteln mehr erforderlich.
Vorteile werden verspielt Die gleiche Ablehnung, die inzwischen dem Energiemaisanbau entgegenschlägt, dürfte wohl bald auch dem Miscanthusanbau entgegenschlagen, wenn eine Anbaupraxis Schule macht, die jüngst wieder einmal in der VG Obere Kyll im Landkreis Vulkaneifel dokumentiert werden konnte. Speziell zum Miscanthusanbau wurde von einem Landwirt eine artenreiche Wiese mit großen Beständen an Schlangenknöterich, Waldstorchschnabel, Mädesüß, Frauenmantel u.a. erworben. Das angrenzende Fließgewässer war optimal strukturiert. Ergänzt durch die Uferstruktur und den Uferbewuchs entsprach alles zusammen einer idealen Auenlandschaft mit einem naturnahen Bach. Inzwischen ist ein Teil der Ufergehölze gerodet, das Ufer befestigt, das Grünland totgespritzt. Reliefunterschiede sind egalisiert und randliche Hecken beseitigt.
Anspruch und Wirklichkeit Mit der Aussage „Bauern fördern die biologische Vielfalt“ luden erst dieser Tage Funktionäre des Bauernverbandes zu einem Wandertag zum „Internationalen Tag der Biologischen Vielfalt“ am kommenden Samstag in die benachbarte VG Hillesheim ein. Vorgänge, wie das jüngste Beispiel aus der VG Obere Kyll, sind nicht nur bestens geeignet, solche Aussagen zu konterkarieren und nach den übrigen nawaros auch Miscanthus in Verruf zu bringen. Sie tragen auch dazu bei, die vielerorts bestehenden Vorurteile gegenüber der Landwirtschaft zu untermauern und einen ganzen Berufsstand weiter zu diskreditieren.
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